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Finnland akzeptiert Demoszene als UNESCO-Kulturerbe

In der Vergangenheit haben wir bereits über Demos – meist musikalisch unterlegte Echzeitanimationen – gesprochen. Nun darf sich die Demoszene darüber freuen, in Finnland vom Ministerium für Kultur und Bildung als Teil des immateriellen Kulturerbes anerkannt worden zu sein. Es ist weltweit das erste Mal, dass digitale Kultur als UNESCO-Kulturerbe gelistet wird. In Deutschland läuft das Verfahren noch.

Und auch wenn das für AMVs erst mal nichts verändert, ist die Anerkennung digitaler Kultur doch eine positive Entwicklung.

 

Quellen:

The Finnish Heritage Agency
Demoscene – The Art of Coding

 

Kommentare

  1. Cenit says:

    Eine sehr interessante Entwicklung. Hat mir klar gemacht, dass ich den Ratifizierungsprozess hinter UNESCO-Kulturerben garnicht kenne. Entscheidet jedes Land für sich, was ein Kulturerbe ist und die UNESCO reicht nur Vorschläge weiter? Und wann ist ein Kulturerbe ein Weltkulturerbe? Aber das lese ich mir die Tage mal in Ruhe durch.

    Generell würde mich interessieren, ob hier nur die Demo-Szene gemeint ist, oder Demos an sich. Die (deutsche :jcd:) AMV-Szene an sich hätte sicher maginal weniger Copyright Widerstand, als Kulturerbe ratifiziert zu werden, als ihre Werke.

    Die Kultur um AMVs ist national wie international sehr eigen und im Fan-Musikvideo Bereich sicher einzigartig, aber reicht das schon, um ein Kulturerbe zu werden? Mich würde daher auch interessieren, was genau an der Demo-Szene als kulturell wertvoll eingestuft wird. Aber generell sehr cool!

  2. In Deutschland findet zweijährlich eine Bewerbungsrunde für das bundesweite Verzeichnis (des immateriellen Kulturerbes) statt. Trägergemeinschaften (hier z.B. Digitale Kultur e.V.) können Vorschläge zur Aufnahme ins Verzeichnis machen - im Bundesland in dem sich das Kulturerbe befindet oder im Zweifelsfall wo die Trägergemeinschaft ansässig ist.
    Am Aufnahmeprozess sind Länder, Kultusminister, Bundesbeauftragte Kultur/Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche UNESCO-Kommission beteiligt.

    Wenn man diesen Prozess erfolgreich durchlaufen hat, ist man im bundesweiten Verzeichnis (die Demoszene ist nun im finnischen Verzeichnis).

    Die hier aufgeführten Kulturformen können nun für die internationalen UNESCO-Listen nominiert (z.B. Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit) werden. Dafür sind ebenfalls die nationale UNESCO-Kommission, Kultusminister und Bundesbeauftragte Kultur/Medien zuständig. Diese Nominierungen werden anschließend von einem zwischenstaatlichen Ausschuss der UNESCO evaluiert.

    Hier ist die Demoszene, als digitale und soziale Praxis (Kultur) gemeint.

    Deren Argumentation wäre: Zusammenkünfte, digital und analog; Kreativer Ausdruck durch Hardwarelimitation; Transnationale Kultur mit regionalen Sub-Communities und Styles (reiche kulturelle Diversität).
    Ließe sich sicher für AMVs diskutieren und argumentieren. Der amvde e.V. soll sich mal bewerben.

    Hier lässt sich genau nachlesen, wie sich ein immaterielles Kulturerbe nach UNSECO definiert: https://ich.unesco.org/en/convention

    Hier ist die Bewerbung (und die Argumentation) der Demoszene für das deutsche Verzeichnis:
    http://demoscene-the-art-of-coding.net/wp-content/uploads/2020/01/AoC_German_appliaction_Oct2019_pub.pdf

  3. Cenit says:

    One day…

    Vielen Dank für die Erklärung und Aufschlüsselung. Ich werde mir die Verweise die Tage mal in Ruhe durchlesen.

  4. Shui says:

    Pff wer braucht schon die institutionelle absegnung einer Buchstabenorganisation. Lässt mich absolut kalt. Die Demoszene hat schon immer gute Archive und Community gehabt und das wird auch so bleiben. Diese bürokratische legitimierung ist wertlos wenn nicht sogar ein Negativ.